Die Sehnsucht der Feder zu fliegen

erscheint im Frühjahr 2020 im Verlag Tredition

Judith flieht mit ihrer kleinen Tochter Amber aufs Land, um der Verfolgung eines Mannes zu entgehen. Sie findet im Haus der deutlich älteren Bea eine Wohnung und in Bea eine Freundin. Als sie Beas Aufzeichnungen über deren Erlebnisse in einer Therapiegruppe liest und gebannt verfolgt, wie Bea auf ein altes Trauma stößt und sich Schritt für Schritt daraus erlöst, tritt ihre eigene Geschichte an sie heran: die kleine Wilde, die durch die Gartensiedlung, in der sie aufwächst, strolcht und ihren väterlichen Freund Nathan besucht; die nicht weiß, wer ihr Vater ist und ihre Mutter deshalb hasst; die früh auf die eigenen Füße fällt und in eine Ehe mit dem Schauspieler Alexander stolpert, der sie zutiefst liebt - aber sie selbst kann nicht wirklich lieben, glaubt sie, so wie sie auch nicht wirklich fühlen kann. Als sie Nathan nach mehr als zehn Jahren wiedertrifft, kommt eine Erinnerung in ihr hoch, die ihr den Atem nimmt.

»Lass dich nicht kriegen, kleine Wilde! Lass dich für kein Geld der Welt in ein Büro einsperren, wo du den Verkehr rauschen hörst und nicht den Wind in den Bäumen. Wo Telefone klingeln, hektische Stimmen blaffen, und draußen ist die Luft voller Vögel und Bienen und Hummeln.«

Ein Windhauch streicht durchs Gras, bringt den Kienduft des aufgespalteten Holzes mit und Nathans süßlichen Schweißgeruch. Die kleine Wilde nickt und spürt, wie die Sehnsuchtsfeder in ihrem Stirnband mit ihr nickt.

© 2018  Christa Eckert